Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Chile
Chile erstreckt sich über mehr als 4.000 Kilometer vom tropischen Norden bis zur antarktischen Spitze und beherbergt daher eine außerordentlich vielfältige archäologische Hinterlassenschaft. Im äußersten Norden, wo die Atacama-Wüste zu den trockensten Bedingungen der Erde zählt, haben organische Materialien überlebt, die anderswo längst vergangen wären — Mumien, Textilien, Pflanzenfasern. In der Mitte des Landes haben Inkastraßen und Festungen die andine Herrschaft verewigt. Ganz für sich steht die Osterinsel, deren polynesische Megalithkultur die gesamte Vorstellungskraft der Welt auf sich gezogen hat. Diese zehn Stätten zeigen die kulturelle Tiefe eines Landes, das weit mehr bietet als Patagonia-Trekking.
1. Ahu Tongariki, Osterinsel
Ahu Tongariki ist die größte Moai-Plattform der Osterinsel und trägt 15 wieder aufgerichtete Steinstatuen, die von der Rapa-Nui-Kultur zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert gemeißelt wurden. Die Plattform wurde 1960 von einem Tsunami zerstreut und zwischen 1992 und 1995 mit japanischer Unterstützung wieder aufgebaut. Die Moai bestehen aus Tuffstein aus dem Steinbruch Rano Raraku und wiegen zwischen 10 und 86 Tonnen. Ihre Funktion war wahrscheinlich die Verehrung von Ahnengeistern (Aringa Ora). Die Osterinsel ist seit 1995 UNESCO-Welterbe. Der Besuch ist das ganze Jahr möglich, aber Frühling und Herbst sind klimatisch angenehmer.
2. Rano Raraku, Osterinsel
Rano Raraku, ein erloschener Vulkankrater im Osten der Osterinsel, ist der Steinbruch, in dem schätzungsweise 95 Prozent aller Moai gehauen wurden. Im Hang stecken noch fast 400 Statuen in verschiedenen Fertigstellungsstadien — manche nur bis zur Schulter freigelegt, andere fast vollständig. Dieses 'Friedhof der halbfertigen Riesen' gibt einzigartigen Einblick in die Produktionstechnik der Rapa-Nui-Bildhauer. Neuere Ausgrabungen zeigen, dass die versunkenen Moai-Körper mit Petroglyphen und im Boden erhaltenen organischen Resten versehen sind. Der Kraterse selbst enthält einen Süßwassersee und war ebenfalls bewohnt.
3. Pukará de Quitor, San Pedro de Atacama
Die Festung Pukará de Quitor wurde von der Atacameño-Kultur (Likan Antai) im 12. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung über dem Fluss San Pedro gebaut. Über 2.000 Lehmziegel- und Steinkonstruktionen sind auf dem Hang verteilt; die strategische Lage beherrschte die Zufahrtswege ins Atacama-Hochtal. 1540 ergaben sich die Verteidiger nach einem langen Widerstand gegen Francisco de Aguirres spanische Truppen. Die chilenische Regierung hat die Festung teilweise restauriert, und die Stätte ist zu Fuß von San Pedro aus erreichbar — ein kurzer, aber steiler Aufstieg. Das kleine archäologische Museum in San Pedro de Atacama bewahrt Funde aus der Region.
4. Geoglyphen von Pintados, Tarapacá-Region
Die Geoglyphen von Cerro Pintados sind die größte bekannte Ansammlung von Felszeichnungen Südamerikas und erstrecken sich über mehrere Kilometer am Hang eines Hügelzugs östlich der Pampa del Tamarugal. Schätzungsweise 380 figürliche Darstellungen — Menschen, Lamas, Vögel, geometrische Motive — wurden zwischen rund 1000 und 1400 n. Chr. von verschiedenen andinen Völkern auf die dunkle Wüstenoberfläche gezeichnet, indem hellerer Untergrund freigelegt wurde. Die Stätte ist Teil des Nationalparks Pampa del Tamarugal und als UNESCO-Kandidat nominiert. Am besten von der Ruta 5 aus per Mietwagen zugänglich, mit offiziellem Parkzugang.
5. Tulor, Atacama-Wüste
Tulor ist das älteste bisher ausgegrabene Dorf der Atacama-Region und datiert in die Zeit um 800 v. Chr. bis 400 n. Chr. Die kreisförmigen Lehmziegelbauten — Ufos-ähnliche Strukturen mit engen Eingängen — blieben jahrtausendlang unter Wüstensand begraben und sind daher ungewöhnlich gut erhalten. Die Atacameño-Bevölkerung nutzte diesen Ort als permanente Siedlung, was auf eine ausgeprägte Sesshaftigkeit zu einer Zeit hinweist, in der viele andine Gemeinschaften noch halbnomadisch lebten. Nur ein Teil des Dorfes wurde ausgegraben; die übrigen Strukturen liegen noch unter dem Sand. Geführte Touren von San Pedro de Atacama sind der beste Weg, die Stätte zu besuchen.
6. Aldea de Tulahuen, Coquimbo-Region
Tulahuen liegt im oberen Choapa-Tal und ist eine der bedeutendsten Diaguita-Stätten Chiles. Die Diaguita-Kultur, die zwischen etwa 900 und 1536 n. Chr. blühte, ist vor allem für ihre geometrisch verzierten Keramiken bekannt — eines der distinctivsten ästhetischen Systeme präkolumbischer Südamerika. In Tulahuen und den umliegenden Tälern sind Pircas (Trockensteinmauern) sowie Petroglyphen erhalten, die die Nutzungsweise des andinen Raums durch diese bäuerliche und hirtliche Kultur dokumentieren. Spätere Phasen zeigen deutliche Inkaeinflüsse nach der Eingliederung ins Tahuantinsuyu um 1470.
7. Pukarà de Chena, Metropolitanregion Santiago
Pukará de Chena ist die nächstgelegene bedeutende Inkaanlage an der chilenischen Hauptstadt Santiago und liegt auf einem markanten Hügel südlich der Stadt. Die Festung und Zeremonialkomplex wurde im späten 15. Jahrhundert im Zuge der Inkaexpansion nach Chile errichtet und belegt die südlichste Grenze des Inka-Kernreiches in diesem Abschnitt. Erhalten sind Grundmauern aus Trockenmauerwerk, darunter Strukturen, die als Ushnu (Zeremonialplattform) und Colcas (Lagerräume) identifiziert wurden. Das Gelände ist ein regionaler Park und für Besucher zugänglich; der Aufstieg bietet einen Panoramablick über das Maipo-Tal.
8. Manos de la Cordillera de los Andes (Cueva de las Manos), südliche Anden
Mehrere Höhlen in der chilenischen Seite der patagonischen Andenkordillere bewahren paläolithische und archaische Handschablonen-Malereien, die den bekanntesten argentinischen Stätten verwandt sind. In der Region um Última Esperanza (Magallanes) wurden Höhlen mit Tiermalereien, Handnegativdrucken und geometrischen Motiven gefunden, die auf etwa 7000 bis 2000 v. Chr. datiert werden. Diese Malereien wurden von Jäger-Sammler-Gruppen hinterlassen, die Guanakos und Pumas jagten. Manche Stätten sind nur mit lokalen Führern zugänglich; die Region Magallanes ist von Punta Arenas aus erreichbar.
9. El Molle-Stätten, Coquimbo- und Atacama-Region
Die El-Molle-Kultur (ca. 100 v. Chr. bis 700 n. Chr.) war eine der frühesten keramikproduzierenden Gesellschaften Nordchiles. Ihre Begräbnisstätten, die im gesamten Elqui-, Limarí- und Choapa-Tal gefunden wurden, zeichnen sich durch unterirdische Grabgruben mit zahlreichen Grabbeigaben aus: Keramik, Pfeifenröhren (wahrscheinlich für rituelle Substanzen), Schmuck aus Stein und Kupfer sowie Menschenknochen in gestreckter oder flexierter Position. Die Stätten sind selten touristisch erschlossen, aber das Regionalmuseum La Serena besitzt eine hervorragende Sammlung von El-Molle-Artefakten und gibt Orientierung für Interessierte.
10. Ruinen von Huanchaca (Pulacayo), Atacama-Hochebene
Die Silbermine und Verhüttungsanlage von Huanchaca (heute im Nationalpark Historia Natural y Cultura del Desierto nahe Antofagasta) ist zwar erst im 19. Jahrhundert erbaut worden, steht aber auf einer langen Bergbaugeschichte dieser Region. Unmittelbar darunter und in der weiteren Umgebung finden sich vorkolumbische Bergbaureste, die belegen, dass Atacameño und Inkaarbeiter bereits vor der spanischen Kolonisierung Kupfer und Silber aus dem Hochland gewannen. Für präkolumbische Bergbauarchäologie in Nordchile ist das Museum Regional de Antofagasta der beste Ausgangspunkt.
Praktische Hinweise
Für archäologische Reisen nach Chile bietet der Norden (San Pedro de Atacama, Iquique-Region) die größte Dichte an vorkolumbischen Stätten. Inlandsflüge von Santiago nach Calama (für San Pedro) sind häufig und erschwinglich. Die Osterinsel ist per Direktflug von Santiago (ca. fünf Stunden) erreichbar; die touristischen Einrichtungen auf der Insel sind gut ausgebaut, aber die Kapazitäten begrenzt — Vorabplanung ist empfehlenswert. Das Nationalmuseum für Archäologie in Santiago (Museo Chileno de Arte Precolombino) ist einer der besten Orte, um einen Überblick über alle hier vorgestellten Kulturen zu gewinnen, bevor man ins Gelände aufbricht. Karte öffnen und alle archivierten Fundorte auf einen Blick sehen.