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Die 10 bedeutendsten antiken Ruinen in Österreich

Das heutige Österreich lag am Schnittpunkt mehrerer antiker Welten: Keltische Stämme wie die Noriker und Taurisker besiedelten das Alpengebiet und die Ebenen der Donau seit der Eisenzeit; nach der römischen Annexion um das Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. entstanden entlang der Donau militärische und zivile Zentren, die zu den wichtigsten Städten des Nordrömischen Reiches zählten. Die Grabungslandschaft Österreichs ist reich und wird durch erstklassige Museen erschlossen.

1. Carnuntum, Niederösterreich

Carnuntum, östlich von Wien an der Donau, war das Hauptquartier der Legio XIV Gemina und später einer der größten Stadtanlagen Mitteleuropas mit zeitweise wohl über 50.000 Einwohnern. Kaiser Marc Aurel schrieb hier Teile seiner 'Selbstbetrachtungen'; Diokletian berief hier 308 n. Chr. eine Kaiserkonferenz. Die Archäologische Landschaft Carnuntum umfasst das Amphitheater des Legionslagers (noch deutlich erkennbar), das Amphitheater der Zivilstadt, den Heidentor-Bogen (ein freistehender Triumphbogen des 4. Jahrhunderts) und ein Freilichtmuseum mit rekonstruierten Stadthäusern, in denen Fußbodenheizung und Wandmalerei erlebbar sind. Das Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg präsentiert die Funde.

2. Magdalensberg, Kärnten

Magdalensberg, auf einem Bergkamm südlich von Klagenfurt, war das bedeutendste keltisch-römische Handelszentrum Noricums, bewohnt vom späten 2. Jahrhundert v. Chr. bis in die frühe Kaiserzeit. Auf dem Plateau lebten keltische Händler und italisch-römische Kaufleute nebeneinander; Ausgrabungen haben Handelskontore, Tempel, Wohnviertel und außergewöhnliche Skulpturen freigelegt – darunter die berühmte Bronzestatue eines Jünglings, von der das Wiener Kunsthistorische Museum eine Kopie bewahrt. Das Freilichtmuseum zeigt Grabungsausschnitte und rekonstruierte Raumbemalungen.

3. Aguntum, Tirol

Aguntum bei Dölsach in Osttirol war die einzige Municipalität Noricums in Tirol, gegründet spätestens im 1. Jahrhundert n. Chr. Die Ausgrabungen bei Lienz haben Stadtmauern, ein Badegebäude, Straßenpflaster und ein Handwerksviertel freigelegt. Das Freilichtgelände ist zugänglich; ein kleines Museum präsentiert Keramik, Schmuck und Münzen. Aguntum war einer der wichtigsten Stützpunkte der Via Claudia Augusta, der Alpenpassstraße nach Italien.

4. Hallstatt, Oberösterreich

Hallstatt am Hallstätter See hat der europäischen Eisenzeit eine Bezeichnung gegeben: die 'Hallstatt-Kultur' (ca. 800–450 v. Chr.) war die erste großräumig verbreitete Eisenzeitkultur Europas. Das Salzbergwerk, seit der Bronzezeit in Betrieb, ist das älteste bekannte Salzbergwerk der Welt und noch heute zugänglich. Im Gräberfeld von Hallstatt wurden über 1000 Bestattungen mit Beigaben aus Eisen, Bronze, Bernstein und Elfenbein freigelegt. Das Museum Hallstatt und die Salzwelten ermöglichen einen eindrücklichen Einblick. Hallstatt-Dachstein ist seit 1997 UNESCO-Welterbe.

5. Virunum, Kärnten

Virunum auf dem Zollfeld in der Klagenfurter Ebene war die Hauptstadt der Provinz Noricum und eine der wohlhabendsten Städte des mittleren Donaugebiets im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. Die antike Stadt liegt unter landwirtschaftlichen Feldern; sichtbar sind kaum Strukturen, doch das Landesmuseum Kärnten in Klagenfurt bewahrt die reichen Funde: Mosaikböden, Inschriften, Skulpturen und eine Bronzemaske von außergewöhnlicher Qualität. Grabungen auf dem nahen Hemmaberg haben frühchristliche Kirchen freigelegt.

6. Brigantium (Bregenz), Vorarlberg

Brigantium am Bodensee war ein wichtiger römischer Stützpunkt am Bodenseeufer, mit Hafen und Zivilsiedlung. Im heutigen Stadtgebiet von Bregenz sind Überreste der Stadtmauer sichtbar; das Vorarlberg Museum zeigt Funde aus mehreren Jahrhunderten römischer Besiedlung, darunter Bronzestatuetten und Alltagsgegenstände.

7. Ovilava (Wels), Oberösterreich

Ovilava, das heutige Wels, war Hauptstadt der Provinz Noricum Ripense und besaß im 3. Jahrhundert n. Chr. das Stadtrecht einer Colonia. Das Stadtmuseum Wels bewahrt eine der bedeutendsten römischen Sammlungen Österreichs, darunter zahlreiche Grabsteine, Mosaike und die berühmte 'Welserin' – ein Bronzeporträt einer Frau des frühen 3. Jahrhunderts.

8. Flavia Solva, Steiermark

Flavia Solva bei Leibnitz in der Südsteiermark war eine blühende römische Stadt, die im 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. wichtiger Handels- und Verwaltungsknoten war. Die Ausgrabungen auf dem Frauenberg haben Tempel und Kultbereiche freigelegt; das Schloss Seggau in der Nähe birgt Inschriftensteine. Das Archäologiemuseum Schloss Seggau zeigt die Funde in Verbindung mit der Römerzeit in der Steiermark.

9. Lorch (Lauriacum), Oberösterreich

Lauriacum, das heutige Enns bei Linz, war im 2. bis 5. Jahrhundert n. Chr. ein Legionslager der Legio II Italica und ein bedeutendes christliches Zentrum – hier soll der Heilige Florian (Patron Österreichs) um 304 n. Chr. martyrisiert worden sein. Das Museum Lauriacum in Enns zeigt Funde aus dem Lager und der Zivilstadt; Teile der antiken Stadtanlage sind durch Grabungen belegt.

10. Iuenna (Globasnitz), Kärnten

Am Hemmaberg bei Globasnitz in Kärnten wurde eine dichte Gruppe frühchristlicher Kirchen des 5. und 6. Jahrhunderts freigelegt – mehr als fünf Gotteshäuser auf engstem Raum, mit einer Wallfahrtstradition, die in spätantiker Zeit viele Gläubige auf diesen Bergkamm führte. Die Mosaikböden, teils noch in situ sichtbar, zeigen dekorative Muster und Tiermotive; eine Dauerausstellung am Hemmaberg erläutert die Befunde.


Carnuntum, Hallstatt und Magdalensberg sind die besterschlossenen Stätten und eignen sich besonders für Tagesausflüge aus Wien, Graz oder Klagenfurt. Die Öffnungszeiten variieren saisonal; Herbst und Frühjahr bieten angenehme Besuchsbedingungen. Die Karte öffnen, um alle antiken Stätten Österreichs zu erkunden.